Tja, das Leben ist kein Ponyhof. Nachdem ich mich beim Grevet #1 schon ordentlich geplagt habe, Grevet #2 gar nicht angetreten bin, wollte ich auf jeden Fall den Grevet #3 fahren. Zum Glück (oder Pech, wie man es halt sieht) wurde der Absolvierungszeitraum wegen der Unwetter in der Wachau verlängert und so ging sich das zeitmässig aus bei mir…
Und – wie sang schon Peter Weibel (1944-2023) seinerzeit mit dem Hotel Morphila-Orchester: „… Die schönsten Strophen sind die Katastrophen …“ – und so kam es auch.
170 km mit 3.000 hm, das schien nicht so extrem, obwohl Schwierigkeit 7/10 angegeben war. Ich kalkuliere so einen 13er/14er-Schnitt, denn ab km 105 geht es quasi bergab und dann über Wald- und Feldwege wieder nach St. Pölten – das sollte sich gerade noch bei Licht ausgehen…
Ich stehe nicht ganz so früh auf, packe mein Glump – kleines Gepäck: Regenjacke, Riegel (*), Gel (*), Zauberpulver (*), Lichter (*), Reflektorweste (*), checke meine Zugtickest und bin ungefähr um 09:00 Uhr in St. Pölten. 2. Frühstück beim goldenen M, Trinkflaschen sind voll, ich kaufe noch was zur Reserve und es geht los. Gemütlich entlang der Traisen, dann ein Schwenk nach links. Nach dem Schloß in Walpersdorf: Trinken, schauen, falsch abbiegen – kann ich! Also eine Extra-Runde, bis mein Wahoo (*) wieder schwarze Pfeile anzeigt…
Rauf zum Stift Göttweig (CP 1) durch den Wald ist schieben angesagt. Fotos machen wie gewünscht und dann wieder runter und nach Krems.
In Krems dann der erste etwas längere Anstieg, aber auch für mich noch fahrbar – langsam, aber doch. Bei der Schwarzalm rein auf (nur) ein kühles Getränk, denn: nur Barzahlung! Ich hab nix abgehoben, nur ein paar Coins im Tascherl… Weiter rauf, dann wieder runter, Spitz an der Donau und wieder rauf: Schiebepassage auf den Burgberg (CP 2). Fotos und in der kleinen Hütte steht ein Eiskasten mit köstlichen – auch alkoholfreien – Getränken.
Wieder runter und in Zornberg geht’s rechts und die Schinderei beginnt. „… eine steile MTB Route hinauf …“ steht im Handbuch. Wahrlich, wahrlich. Fahren, schieben, fahren, schieben, schieben, schieben. Und irgendwo im Wald verliert mein Wahoo (und auch mein Wischtelefon) kurzfristig den Satelliten und ich fahre/schiebe den Weg bis zum Ende. Ehrenrunde durch den Wald, nochmaliger Versuch, wieder verkehrt. Ich denke mir, ich scheiss drauf, rolle runter und da blinkt es wieder grün am Wahoo – ich bin versehentlich rechts statt links abgebogen. Ok, weiter. Irgendwann geht es dann sogar wieder (steil, steinig, noch steiler) bergab – allerdings für mich – mit dem Reiserad – teilweise unfahrbar, ein Hardtail wäre angebracht.
Endlich unten erfrische ich mich bei der Wasserleitung am Friedhof in Mühldorf-Niederranna. Ein Gel, ein Riegel, sitzen, überlegen. Es kommt noch der ca. 5 km lange, steile Anstieg hoch zum Jauerling und dann noch ca. 65 km bis zum Ziel in St. Pölten.
Ich bin mir sicher – das pack ich heute/diesmal sicher nicht mehr. Also DNF. Der Hunger ist auch schon gross, also erstmal Suche nach einem Wirtshaus/Buschenschank. In Mühldorf werde ich fündig, setzte ich mich in den „Gasthof Weißes Rössl„, ziehe mir erstmal einen Campari-Soda rein und bestelle mir dann Frucade, Suppe, Hauptspeise…
Nach dem Essen, studiere ich meine möglichen Zugverbindungen in die Heimat. Ups, das wird ganz schön knapp. Ich verzichte auf weitere Getränke, zahle und fahre los. Vollgas war das nicht mehr – mit vollem Bauch und leeren Beinen nach Krems.
21:18 Uhr Abfahrt in Krems nach St. Pölten, dann krieg ich noch einen Zug nach Wien und auch noch einen nach Schützen (quasi 3 km neben meiner Homebase). Um 21:15 Uhr bin ich am Bahnhof Krems, ziemlich erledigt.
Das mit den Zugverbindungen an diesem Tag wäre eine eigene Geschichte wert – vielleicht ein andermal. Nur so viel: Ich habe Glück, erwische irgendwie irgendwelche Züge, muss nicht mit SchaffnerInnen diskutieren und rolle schlussendlich um 00:45 Uhr daheim durch’s Tor…
Immerhin: Knapp 107 Kilometer mit 1.870hm sagt RWGPS, Strava sagt ähnliches.
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